Erfahrungsbericht zur Fritzbox 7430


Die Fritz!Box 7430 ist der “kleine Bruder” der Fritz!Box 7490. Letztere verwende ich seit einigen Wochen bei mir zu Hause und bin mehr als zufrieden. Zur 7430 griff ich aus Kostengründen für meine Eltern, um deren Infrastruktur für die anstehende Umstellung auf All-IP fit zu machen.

Für etwa den halben Preis der 7490 muss man bei der 7430 i.w. auf Gigabit-LAN-Anschlüsse (die vier LAN-Ports der 7430 unterstützen nur Fast Ethernet, also 100 Mbit/s) und 5GHz-WLAN (die 7430 unterstützt nur 2,4GHz-WLAN) verzichten. Ich selbst würde diese Features zwar nicht missen wollen, aber für das Nutzungsprofil meiner Eltern geht das voll in Ordnung. Wichtig außerdem für ISDN-Umsteiger, die ihre Komponenten weiter verwenden wollen: An die 7430 können keine ISDN-Komponenten angeschlossen werden, da muss man zusätzlich zu externen Konvertern oder besser gleich zur 7490 greifen.

Ein weiterer, nicht so offensichtlicher Unterschied zur 7490 ist aber auch, dass die 7430 an einem konventionellen Telekom-Anschluss (also DSL-Anschluss mit analogem Festnetz-Anschluss) nicht die Telefonie-Funktion übernehmen kann! Ist man noch nicht auf All-IP umgestellt, muss man die 7430 also erst mal “konventionell” wie jeden nicht Telefonie-geeigneten Router verkabeln (also per normalem Netzwerkkabel an den DSL-Ausgang des Splitters, während das Telefon separat am F-Anschluss des Splitters verbleibt). Am Tag der Umstellung auf All-IP muss man dann “umverkabeln”, also das mitgelieferte RJ45-TAE-Kabel verwenden: RJ45 in die DSL-Buchse des Routers, TAE-Stecker in die F-Buchse der ersten TAE-Dose; der Splitter kann dann in Rente gehen; alternativ kann auch der F-Anschluss des Splitters verwendet werden, sofern man einen Annex B-Anschluss hat und es bei diesem auch bleibt, dieser also nicht auf Annex J umgestellt wird. Bei einem Annex B-Anschluss müsste die Verkabelung sogar auch einfach so bleiben können wie sie ist (da bei Annex B All-IP eh nur noch die Frequenzen benutzt werden, die am Netzwerkausgang des Splitters anliegen; die unteren paar hundert kHz, die vorher für die Telefonie benutzt wurden, liegen brach; das muss ich aber Anfang Dezember, wenn der Anschluss meiner Eltern tatsächlich umgestellt wird, noch verifizieren). Definitiv gehört das Telefon in jedem Fall entweder per TAE-F-Stecker an die seitliche TAE-F-Buchse der Fritz!Box ODER per RJ11-Kabel an die rückwärtige FON1-Buchse der Fritz!Box. Sofern es sich um DECT-Geräte handelt, können die Mobilteile alternativ auch direkt an der integrierten DECT-Basisstation der Fritz!Box angemeldet werden (s.u.).

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die 7430 zwar (nahezu) perfekt auf Telekom-Anschlüsse abgestimmt ist, aber auch an jedem anderen Anschluss benutzt werden kann. Der LAN1-Port kann “umgewidmet” werden, um entweder mit einem externen Modem Kontakt aufzunehmen oder die bestehende Internet-Verbindung eines vorgeschalteten Routers (selbst ausprobiert mit einem alten Speedport-Router der Telekom) zu nutzen. Im letzteren Fall ist es natürlich nicht möglich, die integrierte DECT-Station für Telefonie und den integrierten Anrufbeantworter zu benutzen.

AVM-typisch ist die Einrichtung des Routers für den versierten Anwender ein Klacks und sollte auch für halbwegs technik-affine Laien zu bewerkstelligen sein.

Die Ausstattung des Routers ist für diese Preisklasse sehr gut. Wie die 7490 lässt sich auch die 7430 bequem per MyFritz übers Internet administrieren (für mich sehr wichtig, da ich mehr als 600 km von meinen Eltern entfernt lebe), hat einen integrierten Anrufbeantworter, eine integrierte DECT-Station (die bisherige Telefon-Basisstation kann also in Rente geschickt werden, sofern die Mobilteile DECT-GAP unterstützen, was aber seit vielen Jahren Standard ist; selbst steinalte Nicht-GAP-Geräte lohnen einen Versuch, wofür allerdings ein Häkchen in der Fritz!Box-Weboberfläche gesetzt werden muss), kann Smart Home-Komponenten wie die schaltbaren Steckdosen steuern, usw. (Obacht: Telefonie und Anrufbeantworter können, s.o., erst nach der Umstellung des Telefonanschlusses auf All-IP genutzt werden!)
Mir sind im Vergleich zur 7490 bislang keine Software-Features aufgefallen, die man der 7430 vorenthalten hätte. Ich gehe aufgrund der Erfahrung mit meiner 7490 auch davon aus, dass diese Features auch bei der 7430 problemlos funktionieren.

Spitze ist wirklich die MyFritz-Funktion, die einem via Browser oder Handy-App ganz leicht Zugriff auf den Router gibt. Sicherheits-Phobiker werden diese Funktion wahrscheinlich nicht nutzen, aber ich gehe mal davon aus, dass AVM sich der Risiken bewusst ist und die zugehörige Software akribisch und kompetent pflegt (z.B. bekannt werdende Sicherheitslücken sofort stopft), so dass ich das Risiko des Missbrauchs mal als akzeptabel niedrig einstufen würde. Bequem ist die Funktion allemal: Leichter kann es kaum sein, sich von unterwegs z.B. einen Überblick über verpasste Anrufe und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter zu verschaffen (und Nachrichten auch gleich anhören zu können). Man kann sich sogar, wenn man will, über verpasste Anrufe und Nachrichten unmittelbar per Email informieren lassen (bei einer Nachricht hängt diese dann als Audio-Datei gleich an der Email mit dran, so dass man sie sofort abhören kann).

Per VPN-Zugang und Fritz!Fon-App kann man sogar unterwegs über seinen Festnetz-Anschluss telefonieren! Toll, wenn man seinem Partner vorgaukeln will, zu Hause zu sein. 😉 Nee, ohne Spaß: Wenn man sich in einem kostenlosen WLAN aufhält oder zumindest genügend Mobilfunk-Datenvolumen hat, ist das eine ernsthafte Alternative zu Skype und Co., um gerade im Ausland teure Mobilfunk-Gebühren zu vermeiden.

Die 7430 ist noch recht neu im AVM-Sortiment, das merkt man an der Software. Die FritzOS-Version stagniert zur Zeit noch bei Version 6.26. Da es hiermit wohl häufiger mal heftige Performance-Probleme am All-IP-Anschluss gibt, hat AVM im August eine 6.26-Laborversion zur Verfügung gestellt, mit der diese Probleme wohl beseitigt sind (die Betroffenen bestätigen das durchgehend). Allerdings muss man hier wirklich auf ftp://service.avm.de gehen und sie herunterladen (auf der AVM-Webseite ist sie bislang nicht verlinkt!).
Ich habe diese Laborversion vorsorglich installiert. Man kann dies unbesorgt tun, da sie wirklich genauso stabil läuft wie die offizielle Release. Man sollte nur daran denken, möglichst alle Einstellungen zunächst mit der offiziellen 6.26 vorzunehmen und dann VOR der Installation der Labor-Version eine Sicherung der Einstellungen zu machen. Will man nämlich später auf die nächste offizielle Release updaten, muss man erst mal manuell auf die offizielle 6.26 zurückgehen, wobei alle Einstellungen des Routers verloren gehen, d.h. dann braucht man die zuvor gemachte Sicherung zur schnellen Wiederherstellung. Ein Hexenwerk ist das alles nicht, aber ein Minimum an technischem Verständnis im Umgang mit Firmware-Updates sollte man hier mitbringen.
Wann die nächste offizielle Firmware-Release kommt, ist noch nicht bekannt, aber die langfristige Unterstützung dieses Routers durch AVM dürfte sicher gestellt sein, angesichts der Tatsache, dass er sich – wie schon die hervorragende 7490 – “wie geschnitten Brot” verkauft.

Die Umstellung auf All-IP ist bei meinem Eltern zwar noch nicht durchgeführt, aber ich bin aufgrund der bisherigen Erfahrungsberichte sehr zuversichtlich, dass sie dank der 7430 problemlos verlaufen wird. Die Fritz!Box ist schon jetzt eine echte Verbesserung, da ihr WLAN sehr viel weiter reicht als das des alten Speedports (da gab’s in der 90 qm-Wohnung tatsächlich Ecken, wo das Signal zu schwach ankam) und sehr viel stabiler ist (beim Speedport “verhakte” sich das WLAN mindestens einmal pro Woche, was einen Reboot des Routers nötig machte).

Von daher schon mal zu diesem Zeitpunkt eine klare Empfehlung für die Fritz!Box 7430!

 

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